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Januar 2026

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13.01.26 

 

Nach "Elli": Schulchaos zu Wochenstart: Hätte der Landkreis reagieren müssen? (Von Daniela Apel)

 

Die Verärgerung war gestern groß bei einigen Eltern. Grund: die kurzfristige Absage des Präsenzunterrichts an der Ganztagsschule Ciervisti. Fahrschüler waren zu der Zeit bereits mit dem Schulbus nach Zerbst unterwegs. Am Sonntagabend machte noch die Nachricht in Klassenchats die Runde, dass der Unterricht am Montag "Stand jetzt" regulär stattfindet. Am Morgen sollte abhängig von der Wetterlage situativ entschieden werden, hieß es.

 

"Ich hätte Präsenzunterricht gemacht", erklärte Schulleiterin Kirsten von Mandel wenig später gegenüber der Volksstimme. Druck von außen führte jedoch letztlich dazu, den Unterricht ausfallen zu lassen, wie sie schilderte. Nachdem das Gymnasium Francisceum entschieden hatte, keinen Präsenzunterricht durchzuführen, "waren wir im Zugzwang", so von Mandel.

 

Aufgaben für zu Hause

Um 6.15 Uhr hatte das Francisceum Montagfrüh Eltern und Schüler informiert, dass an diesem Tag kein Präsenzunterricht stattfindet. "Alle Lehrer geben Aufgaben über Moodle. Eine Betreuung in der Schule ist jedoch gewährleistet", hieß es. Die Entscheidung traf die Schulleitung "nach dem Chaos und Theater am Freitag", wie Schulleiterin Kerstin Görner sagte.

 

Da waren die Schulbusse am Morgen noch planmäßig gefahren, bevor nach Eintreffen der Schneefront samt der damit verbundenen Verwehungen wenig später der Linienverkehr dann eingestellt wurde. Ab 12 Uhr schließlich plante das für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld zuständige Busunternehmen Vetter die Wiederaufnahme der Fahrten. Die meisten allerdings fielen weiterhin aus.

 

Kein erneutes Hin und Her

Weil nun für gestern erneut Schneefall und Glatteis für die Region vorhergesagt waren und das gleiche Hin und Her drohte, wurde am Francisceum die Reißleine gezogen. Auch weil "nichts Einheitliches vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld kam", so Kerstin Görner. Sie fand, dass im Jerichower Land konsequenter agiert wurde. Im Nachbarkreis wurde der Schülerverkehr vorsorglich am 9. und 12. Januar eingestellt, womit an allen Schulen kein Präsenzunterricht stattfand.

 

Träger der Schülerbeförderung sind die Landkreise und kreisfreien Städte. Vor dem Hintergrund fand auch in Anhalt-Bitterfeld angesichts des aufziehenden Sturmtiefs "Elli" am Donnerstag ein Gespräch zwischen Vertretern der Kreisverwaltung und Vetter statt, wie Jana Müller berichtete. Das Ergebnis und die ungünstigen Folgen sind bekannt.

 

"Das müssen wir auswerten", konstatierte die Kreissprecherin gegenüber der Volksstimme. Aber: In Anbetracht des angekündigten regulären Busbetriebs – neben den witterungsbedingten Verspätungen – habe indes für Montag keine legitime Grundlage bestanden, die Schülerbeförderung einzustellen. Auch heute sollen die Busse zunächst planmäßig fahren – trotz der bis 8 Uhr geltenden Unwetterwarnung wegen möglicher Eisglätte. Aufgrund dieser findet an der Ciervisti-Schule erneut kein Präsenzunterricht statt. Am Francisceum wird er ebenfalls nochmal ausgesetzt.

 

 

Volksstimme

 

30.01.26

 

Mittagsbus wird gestrichen: Das Busunternehmen Vetter nimmt Änderungen im Fahrplan vor. Dies betrifft auch gravierend den Zerbster Schülerverkehr (Von Daniela Apel)

 

Ab 1. Februar treten im Landkreis Anhalt-Bitterfeld einzelne Änderungen im Busfahrplan in Kraft. Dies wirkt sich auch auf den Schülerverkehr im Raum Zerbst aus. So fällt eine wichtige Rückfahrt komplett weg.

 

Betroffen ist die Linie 455 Zerbst – Garitz – Dobritz – Reuden/Anhalt. Auf dieser wird zwischen Zerbst und Dobritz die Fahrt 104 gestrichen, die bisher stets um 12.22 Uhr an der Schwimmhalle abfuhr. 12.37 Uhr war der Bus dann in Dobritz. Fortan entfällt diese Tour, mit der bislang nicht wenige Schüler der Sekundarschule Ciervisti gefahren sind. "Ursache ist eine Überfüllung der Grundschulfahrt ab Dobritz", heißt es zur Begründung auf der Internetseite der Vetter Verkehrsbetriebe. Das Unternehmen ist mit der Schülerbeförderung beauftragt.

 

Bus ab Dobritz überfüllt

Künftig erst um 12.40 Uhr in Dobritz. Der Bus fährt dann wie gewohnt über Grimme nach Reuden/Anhalt und schließlich nach Nedlitz mit dem Abstecher nach Hagendorf, um die Grundschüler nach Hause zu bringen.

 

Wie Maik Janak, kaufmännischer Leiter bei Vetter, erläutert, basiert der Schülerverkehr auf der Schülerbeförderungssatzung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Diese legt die zu erbringenden Fahrten fest. Im Fall der Grundschule Dobritz ist nur eine einzige Rückfahrt festgeschrieben, und das ist eben jene mit dem Bus 455 um 12.40 Uhr.

 

Bislang fuhr um 12.22 Uhr der Bus 455 an der Zerbster Schwimmhalle in Richtung Dobritz ab, um von dort weiter über Grimme und Reuden/Anhalt nach Nedlitz zu fahren. Ab 1. Februar ändert sich das.

(Foto: Daniela Apel)

 

Drei Busrückfahrten

"Die bisherige Fahrt um 12.22 Uhr ab Schwimmhalle ist somit keine offizielle Rückfahrt für die Sekundarschule, wurde zuletzt jedoch durch Unterrichtsausfall an der Schule für fast alle Schüler der Schule täglich genutzt", schildert er. Das wiederum führte dazu, dass beim Eintreffen des Busses in Dobritz nicht mehr ausreichend Plätze zur Verfügung standen.

 

Die Kinder der Grundschule "hatten so teilweise keine Möglichkeit der Fahrt nach Hause", erläutert Janak. "In Abstimmung mit dem Landkreis hat jedoch die Nutzungsmöglichkeit der satzungskonformen Rückfahrten für die Schüler der jeweiligen Schulen Priorität", begründet er die Streichung der Fahrt 104 ab Zerbst.

 

Für die Sekundarschule Ciervisti muss Vetter drei Rückfahrten absichern. Diese finden nach der 6., 7. und 8. Stunde statt, bei der Linie 455 also um 14, 15 und 15.40 Uhr. "Diese Zeiten sind mit der Schule abgestimmt und werden mit dem Gymnasium Francisceum zusammen bedient", ergänzt Janak.

 

Auf die aktuelle Fahrplanänderung weist Ciervisti auf seiner Schul-Homepage hin. In der dort zitierten Info von Vetter steht zudem, dass alternativ zur wegfallenden Fahrt 104 den Schülern die Linie 450 nach Nedlitz oder der AnrufbusFlex zur Verfügung stünden. Die 450 fährt zwar bis Nedlitz, allerdings nicht über Dobritz, Grimme und Reuden/Anhalt, sondern über Lindau und Deetz. Für den AnrufbusFlex gelten hingegen separate Zuschläge.

 

Probleme schildern

Seitens Ciervisti heißt es hinsichtlich der geplanten Fahrplanänderung: "Wir haben mit dem Landkreis Rücksprache gehalten und hoffen, dass kurzfristig noch Abhilfe diesbezüglich geschaffen werden kann." Betroffene Eltern könnten sich direkt per Mail an den Kreis – schuelerbefoerderung@anhalt-bitterfeld.de - wenden und die aus der Streichung der Fahrt 104 resultierenden Probleme schildern.

 

Bis zur Klärung des Sachverhalts würde die Schule täglich bis 13.45 Uhr eine Betreuung der betroffenen Schüler absichern.

 

Alle Busfahrpläne für die Region und aktuelle Meldungen finden sich auf der Internetseite www.mein-bus.net .

 

 

Volksstimme 

Februar 2026

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04.02.26

 

Eindrucksvolle Begegnung in der Ciervisti-Schule ( Von Thomas Kirchner)


Enkel von Zerbster Juden kommen mit Zehntklässlern ins Gespräch.

 

Die Schüler der 10a der Sekundarschule Ciervisti empfanden den Besuch der israelischen Familien Schiff und Gottschalk mit Zerbster Wurzeln als einen ganz besonderen Besuch.

 

Die Schüler der 10a der Sekundarschule Ciervisti empfanden den Besuch der israelischen Familien Schiff und Gottschalk mit Zerbster Wurzeln als einen ganz besonderen Besuch.

(Foto: Janet Gudella)

 

"Es sind Tage des schmerzhaften Rückblicks, aber für uns hier in Zerbst sind es auch Tage, an dem wir der Geschichte Namen und Gesichter zurückgeben", betont Uri Schiff. Gemeint sind damit die Stolpersteine für seine Großeltern Karl und Ida Schiff sowie deren Kinder Lore und Werner-Julius, die am Gedenktag in der Gartenstraße verlegt wurden.

 

In der vergangenen Woche waren Familien mit Zerbster Wurzeln aus Israel in der Stadt zu Gast gewesen. Anlass für diesen Besuch war die Verlegung von Stolpersteinen an den Lebensorten ihrer Angehörigen, die in der Zeit des Naziterrors verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

 

Die Familien haben ihren Besuch auch genutzt, um im Francisceum, der Ganztagsschule Ciervisti und in der Schule Am Heidetor über die eigene Geschichte zu berichten.

 

Die Schüler der 10a der Sekundarschule "Ciervisti" empfanden den Besuch der israelischen Familien Schiff und Gottschalk mit Zerbster Wurzeln als einen ganz besonderen Besuch. Die Nachkommen stellten ihre Familiengeschichte vor und kamen anschließend mit den Schülern, ihrer Klassenlehrerin, den Schülersprecherinnen sowie der Schulsozialarbeiterin ins Gespräch.

 

Extremismus entgegentreten

"Der persönliche Austausch ermöglichte einen tiefen und bewegenden Einblick in jüdische Schicksale und Lebensgeschichten", berichtet Schulsozialarbeiterin Janet Gudella nach dem Treffen. Thematisiert und spürbar wurden unter anderem die Bedeutung von Zusammenhalt, familiärer Verbundenheit und die Verantwortung, Extremismus frühzeitig zu erkennen und ihm entschieden entgegenzutreten.

 

Wichtige Erkenntnisse der Jugendlichen: "Das Leben bewusst genießen, wachsam bleiben und sich aktiv für Frieden, Demokratie und Menschlichkeit engagieren. Die emotionale Verbundenheit mit Zerbst war dabei deutlich spürbar. Bereits am 27. Januar hat sich die Sekundarschule mit Schülern an der Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sowie an der Stolpersteinverlegung beteiligt.

 

Alle Anwesenden zeigten sich am Ende sehr dankbar für die eindrucksvollen, bewegenden und nachhaltigen Begegnungen", betont Janet Gudella.

 

 

Volksstimme

 

 

 27.02.26

 

Eltern schlagen Alarm: An der Zerbster Ganztagsschule Ciervisti spitzt sich der Lehrermangel immer weiter zu. Eltern sehen die Zukunft ihrer Kinder gefährdet. Jetzt wächst der Druck, endlich zu handeln (Von Daniela Apel)

 

Der Lehrermangel an der Zerbster Ganztagsschule Ciervisti ist dramatisch, der Stundenplan extrem eingekürzt, der Ausfall von Präsenzunterricht immer wieder die Notfalllösung. Eltern sorgen sich um die Bildung ihrer Kinder. Sie fordern Lösungen, und zwar jetzt.

 

Die Zahlen spiegeln die Negativ-Entwicklung drastisch wieder: Aktuell zählt das Kollegium bei insgesamt 580 Schülern neben der Schulleitung gerade mal 25 Lehrer und drei Referendare. Zum Vergleich: Im September 2017 waren es noch 44 Lehrer bei nur 468 Schülern. Sprich: Während die Zahl der Fünft- bis Zehntklässler stetig zunahm, sank die der Pädagogen. Die Folgen sind deutlich zu spüren. Die Unterrichtsversorgung liegt inzwischen bei unter 70 Prozent.

 

Nachwuchs im Handwerk

Längst kann nicht in allen Klassen jedes Fach wie vorgesehen erteilt werden. Das betrifft Kunst und Musik genauso wie Ethik und Sport sowie durch eine langzeiterkrankte Kollegin ebenfalls Biologie. Denn mit jedem Ausfall eines Lehrers verschärft sich die Situation, unter der letztlich die Schüler leiden. Aus Sicht von Ramona Schondorf kann es so nicht weitergehen. Die Elternratsvorsitzende hat selbst zwei Söhne, die die Ciervisti besuchen. "Sie gehen mit Stolz auf diese Schule", sagt ihre Mutter. Und sie weiß, dass ihre Jungs nicht die Einzigen sind.

 

Auch wer später eine Ausbildung statt eines Studiums plant, wähle bewusst den Bildungsweg an der Sekundarschule, der nicht schlechter sei als das Abitur am Gymnasium. "Es ist ein anderer, aber gleichwertiger Bildungsweg, mit dem einem alle Türen offen stehen", sagt Ramona Schondorf. Und es sei einer, den die Wirtschaft brauche, ergänzt die Zerbster Unternehmerin.

 

Nicht nur das Handwerk, verschiedene Branchen suchen Nachwuchs, wie die stellvertretende Elternratsvorsitzende Franziska Schulze ergänzt, die selbst in der Pflege arbeitet. So gibt es in und um Zerbst derzeit 81 Ausbildungsbetriebe, die aktuell 93 freie Lehrstellen melden, wie es auf Volksstimme-Nachfrage seitens der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt Ost heißt.

 

Die Elternratsvorsitzende Ramona Schondorf (l.) und ihre Stellvertreterin Franziska Schulze fordern endlich Lösungen, um dem extremen Lehrermangel an der Zerbster Ganztagsschule tatsächlich wirkungsvoll entgegenzuwirken.

(Foto: Daniela Apel)

 

Schüler sind Leidtragende

Die beiden Frauen ärgert der schlechte Ruf, den Ciervisti ihrer Meinung nach völlig zu Unrecht hat. Doch die abwertende Einstellung sei immer wieder spürbar, sagen sie. Nachvollziehen können sie das absolut nicht. "Es gibt Probleme, sicher, aber da wird eben offen drüber geredet. Diese werden nicht totgeschwiegen wie an anderen Schulen", sagt Ramona Schondorf.

 

"Wir haben engagierte Lehrer und auch Seiteneinsteiger, die Praktiker sind und manches besser erklären können", sagt Franziska Schulze. Umso mehr sorgen sich die Elternvertreterinnen, dass die Schule aufgrund sich stetig verschlechternder Rahmenbedingungen immer stärker abgehängt wird.

 

Am Ende sind es die Schüler, die auf der Strecke bleiben. Dabei ist es nicht nur die Vermittlung des Lehrstoffs, die unter dem Lehrermangel leidet. "Wenn im Halbjahr unterrichtsbedingt nur eine Klassenarbeit geschrieben wird, wie will ich da eine schlechte Note wieder ausgleichen?", gibt Ramona Schondorf zu bedenken und erzählt von einer neunten Klasse, in der momentan die Hälfte der Schüler versetzungsgefährdet ist.

 

Pflicht zu handeln

"Es müssen gemeinschaftliche Lösungen gefunden werden. Es geht hier um keine Befindlichkeiten, sondern um die Zukunft der Kinder", betont die Elternratsvorsitzende. "Es gibt eine Schulpflicht, und die ist abzusichern", geht ihr Appell an Bildungsminister Jan Riedel (CDU). Jener hatte bei seinem Zerbst-Besuch im vergangenen November zur Solidarität zwischen den Schulen aufgerufen, um das Problem des Lehrermangels abzufedern.

 

Appellierend an den Berufsethos warb Riedel damals dafür, dass die besser ausgestatteten Gymnasien auf die schlechter gestellten Sekundarschulen zugehen und schauen, ob es Möglichkeiten gibt, diese phasenweise zu unterstützen. So zählt das Zerbster Gymnasium derzeit gut 600 Schüler und mehr als 40 Lehrkräfte. Nach Meinung der Elternvertreterinnen von Ciervisti ist Riedels Wunsch ein Ansatz, der nicht auf Freiwilligkeit beruhen sollte, sondern konsequent in Form von Entsendungen umgesetzt werden muss.

 

"Wir fordern Lösungen", wiederholt Ramona Schondorf die Dringlichkeit, dass etwas passieren muss. Die Lehrersuche ist das Eine. Aktuell sind für Ciervisti vier Stellen ausgeschrieben für die Fächer Deutsch, Sport, Mathe sowie die Kombi Ethik/Geschichte - allerdings entspricht dies nicht dem offenen Stellenvolumen.

 

Flexibles Personalbudget

Darüber hinaus stellt das Land Sachsen-Anhalt den Schulen erneut ein flexibles Personalbudget von 35 Euro je Schüler zur Verfügung. Diese Mittel können unter anderem für die Leitung von Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenhilfe, Projekte und Veranstaltungen, unterrichtsbegleitende Tätigkeiten sowie für innovative Modelle der Unterrichtsorganisation genutzt werden, wie es in der Pressemitteilung des Bildungsministeriums heißt.

 

Der Vorschlag von Ramona Schondorf wäre, dieses bis Ende Juni 2026 abzurechnende Personalbudget zur Prüfungsabdeckung zu nutzen. Grund: Die Aufsicht bei den Abschlussprüfungen bindet Lehrer. Das wiederum führt zum Ausfall von Präsenzunterricht in den unteren Klassen, die bereits bei hohem Krankenstand innerhalb des Kollegiums ins sogenannte Homeschooling wechseln müssen. Denn die Abschlussklassen werden vorrangig mit Unterricht versorgt, um eine optimale Prüfungsvorbereitung sicherzustellen.

 

 

Volksstimme

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März 2026

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07.03.26

 

Das Ringen um Lehrer: Unterrichtsausfall und leere Bewerberlisten: Warum an der Ciervisti-Schule in Zerbst Stellen trotz intensiver Werbung unbesetzt bleiben – und welche Maßnahmen jetzt greifen sollen. (Von Daniela Apel)

 

An der Zerbster Ganztagsschule Ciervisti herrscht extremer Lehrermangel. Die Unterrichtsversorgung liegt mittlerweile bei unter 70 Prozent. Die dramatische Situation ist auch dem Landesschulamt bewusst, das um jeden Bewerber kämpft.

 

Der Erfolg deckt sich bislang allerdings nicht mit dem Aufwand, der betrieben wird, um Pädagogen zu gewinnen, wie Pressesprecher Tobias Kühne schildert. Nur – oder immerhin – zwei neue Lehrer konnten im ersten Schulhalbjahr 2025/26 für Ciervisti gewonnen werden, und zwar für die Fächer Englisch und Wirtschaft. "Die Dienstantritte erfolgten im Dezember 2025 und im Januar 2026", informiert Kühne. Darüber hinaus nahm erst in dieser Woche eine Bewerberin das Einstellungsangebot für eine Kunst-Stelle an, wie er erzählt.

 

Viele Ausschreibungsrunden

Selbstverständlich ist das nicht. Denn der landesweit enorme Bedarf an Lehrern ermöglicht es potenziellen Kandidaten, die für sich am Ende optimalste Stelle auszuwählen. Das spiegelt sich in der Statistik wider, die das Landesschulamt auf Nachfrage der Volksstimme einmal für Ciervisti zusammengestellt hat.

 

Aus dieser geht hervor, dass im ersten Halbjahr 25/26 insgesamt 15 Stellen in fünf Ausschreibungsrunden ausgeschrieben waren - einige davon wiederholt. Das betraf die Fächer Sport und Musik, für die gleich dreimal immer wieder ein Lehrer gesucht wurde. Darüber hinaus waren die Fächer Deutsch, Geschichte und Mathe sowie ein sonderpädagogisches Fach ausgeschrieben sowie eben die Fächer Englisch, Wirtschaft und Kunst, für die Lehrer gewonnen werden konnten.

 

Bei den anderen sah es schlechter aus. Wie Tobias Kühne schildert, blieben fünf der 15 Stellen gänzlich ohne Bewerbung. Zugleich gingen nur für neun Stellen geeignete Bewerbungen ein, wobei von den 30 Bewerbern nur 21 die Anforderungen erfüllten. An sie wurden Einstellungsangebote verschickt.

 

"Bei Stellen mit mehreren geeigneten Bewerbern entsteht eine Rangliste. Es werden solange Angebote unterbreitet, bis jemand annimmt oder die Rangliste zu Ende ist", erläutert der Pressesprecher das Vorgehen des Landesschulamtes. Und damit die Bemühungen, dem Lehrermangel entgegen zu wirken.

 

Seit geraumer Zeit wird auch mit Plakaten an der Zerbster Ganztagsschule Ciervisti um Lehrer geworben.

(Foto: Daniela Apel)

 

764 Schulen im Bundesland

Das Scheitern wiederum begründet sich nicht zuletzt an der unzureichenden Zahl an Bewerbern. So wurden für sechs der neun Stellen, für die es passende Kandidaten gab, alle unterbreiteten Einstellungsangebote abgelehnt, so Kühne. "Diese Personen entschieden sich für Stellen an anderen Schulen, für die sie sich ebenfalls beworben hatten. Sie wurden und werden woanders eingestellt", bemerkt er und fügt hinzu, dass sich das Landesschulamt nicht nur für Ciervisti, sondern für alle 764 öffentlichen Schulen in Sachsen-Anhalt um Personalgewinnung bemüht.

 

Gehaltszulage hilft oft nicht

Mitunter werden Stellen von Vornherein mit einer Gehaltszulage versehen. Die Möglichkeit hierzu besteht allerdings erst, wenn eine Stelle mindestens zweimal gänzlich ohne eine Bewerbung geblieben ist, wie Kühne erklärt. Was von Außenstehenden mitunter als Anreiz betrachtet wird, sollte in seiner Wirkung aber nicht überschätzt werden, so der Pressesprecher. "Ja, sie ist dafür gedacht, die Attraktivität der Stellen zu erhöhen und oft gelingt das auch", sagt Kühne. In der Praxis sorge es aber teilweise auch für den genau gegenteiligen Effekt. "Interessenten fragen aktiv nach, was denn mit einer Schule nicht in Ordnung sei. Es müsse schließlich einen Grund dafür geben, dass extra eine Zulage angeboten wird", führt er aus. Natürlich kläre das Landesschulamt bei jeder Gelegenheit dazu auf. Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass potentielle Interessenten sich nicht erkundigen und gleich einen Bogen um Stellen mit Zulagen machen, gibt Kühne zu bedenken.

 

Positive Effekte auf die Personalgewinnung ließen sich viel öfter beobachten, wenn vor allem vor Ort positiv für eine Schule geworben wird. "Bewerber wollen heutzutage gute Gründe dafür, warum sie sich aus den vielen Optionen für eine bestimmte Schule entscheiden sollen", ist seine Erfahrung. Das Landesschulamt jedenfalls werbe für alle Schulen gleichermaßen.

 

Weltenretter-Kampagne

Doch: "Wenn Effekte für eine einzelne Schule erzielt werden sollen, muss man darum auf die positive Mitwirkung vor Ort setzen", ergänzt er. Das Bildungsministerium ermögliche solche Mitwirkung einzelner Schulen zum Beispiel in den Weltenretter-Kampagnen in den sozialen Medien.

 

 

Volksstimme

 

 11.03.26

 

Die Lösungen des Ministers: Bildungsminister Jan Riedel zu Besuch in der Sekundarschule „Ciervisti“. Einen Bus mit Lehrkräften hatte er erwartungsgemäß nicht mitgebracht, aber Ideen, wie man die Lage abfedern kann. (Von Thomas Kirchner)

 

Eigentlich ist Ciervisti eine ziemlich coole Schule – pragmatisch, modernes Gebäude und Unterrichtsräume, gute Vernetzung in die Wirtschaft und das Kollegium kann improvisieren, so sieht es Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU). "Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Eine Schule immer wieder schlechtzureden ist kontraproduktiv, auch bei der Gewinnung von Lehrkräften. Hier muss vielmehr das Positive herausgestellt werden", ist sich Riedel sicher.

 

Der Minister war am Montagvormittag in der Ganztagsschule zu Gast. Grund ist der immer dramatischer werdende Lehrermangel in der Fuhrstraße. "Die Abdeckung des Unterrichts ist inzwischen unter 70 Prozent gerutscht", wie Ramona Schondorf, Vorsitzende des Elternrates, in einem Brief an Landtagsmitglied Dietmar Krause (CDU) deutlich gemacht hat. "Es wird hier mit der Zukunft der Kinder gespielt. Auch der Wirtschaftsstandort wird dadurch massiv geschwächt", schreibt Schondorf weiter.

 

In der Zerbster Sekundarschule CIERVISTI spitzt sich die Lage rund um die fehlenden Lehrkräfte zu.

 

Keinen Bus mit Lehrkräften

Nun stand Riedel Rede und Antwort und hatte, wie er es selbst formuliert hat, "keinen Bus mit Lehrkräften im Schlepptau", aber einige Ideen. Mit am Tisch saßen unter anderem Schulleiterin Kirsten von Mandel, Ramona Schondorf, Lehrkräfte, Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), vom Landesschulamt Johannes Wand und Berufseinstiegsbegleiter Michael Dolezal.

 

Riedel verwies immer wieder auf das "4+1" Konzept – vier Unterrichtstage und einen Praxis- oder einen komplett digitalen Lerntag. "Wir müssen aus dem starren Korsett ein Lehrer, ein Fach, eine feste Unterrichtszeit, ein fester Raum, eine feste Gruppe heraus, brauchen flexible Lösungen. Das würde auch eine Entlastung für das Kollegium bedeuten", erklärte der Minister. Die Schulen können auch einen eigenen und sinnvollen +1 Tag erfinden, der Erlass gebe das her.

 

Verzahnung: 4 + 1 – Modell

Das "4+1"-Modell in Sachsen-Anhalt ist ein freiwilliges Modellprojekt zur Unterrichtsorganisation. Es sieht vier Tage Präsenzunterricht und einen Tag mit alternativen Formaten – digital, Praxis oder andere Formate vor, um mehr Flexibilität bei der Unterrichtsplanung zu erreichen, selbstständiges Lernen zu fördern und eine praxisorientierte Ausbildung zu stärken. Das Modell wird vom Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) begleitet.

 

"In dem Bestreben diese Schulform dahinzubringen, wo sie eigentlich hingehört, nämlich zu einer Schule, der engen Verzahnung zwischen Praxiswelt, Wirtschaft und Schule, ist meine Überzeugung, ist dieser Ansatz der Richtige. Da werden auch nicht alle in die Hände klatschen, 4+1 digital, ja traumhaft. Da müssen wir aber der Realität ins Auge blicken. Wir werden nicht so schnell auf 100 Prozent kommen. Der Praxislerntag oder das Digitale sind zwei Ideen", machte der Minister deutlich.

 

Wertschätzung für Schulen

Das sah auch der Bürgermeister ganz ähnlich. "Wir müssen den Status der Sekundarschulen wieder stärken. Ihnen gebührt ein viel höheres Maß an Wertschätzung. Bei unserer jährlichen Gewerbefachausstellung wird seitens des Handwerks immer wieder deutlich, dass Schülern, die eine Ausbildung wählen, das gleiche Maß an Anerkennung entgegengebracht werden muss, wie Gymnasiasten, die sich für ein Studium entscheiden. Hinzu kommt, dass sich viele Eltern fürs Gymnasium entscheiden, nicht weil das für ihre Kinder die bessere Schulform ist, sondern um ihre Kinder nicht in die Sekundarschulen schicken zu müssen, weil dort vermeintlich die Bedingungen schlechter sind", machte Dittmann deutlich.

 

Ein Luxus, den Ciervisti vorweisen kann, ist Michael Dolezal, der als Berufseinstiegsbegleiter unterwegs ist und einen heißen Draht in die lokale Wirtschaft hat, wie Kirsten von Mandel es ausdrückte. "Er kennt die Unternehmer und Schüler so gut, dass er in vielen Fällen einschätzen kann, in welche Firma welcher Schüler als Azubi passen könnte", erklärte die Schulleiterin. Johannes Wand betonte, dass alle Beteiligten sich konstruktiv einbringen, um die Probleme zumindest zu minimieren.

 

Schulleiterin Kirsten von Mandel schildert Jan Riedel die dramatische Lage in CIERVISTI.  (Fotos: Thomas Kirchner)

 

An Geld mangelt es nicht

"Ich weise auch gerne immer auf die verschiedenen Töpfe hin, aus denen Mittel geschöpft werden können, wie das flexible Personal- oder das Ganztagsbudget. Sie brauchen also Menschen, externe Angebotspartner, die sie unterstützen und Lehrzeit übernehmen, wie Ehemalige oder andere geeignete Personen, aus der Wirtschaft zum Beispiel. In den Budgets gibt es eine hohe Flexibilität. Nutzen Sie Ihre Kreativität, das Geld. Letztlich müssen wir das Ganze auch als Gemeinschaftsaufgabe sehen", betonte der Minister.

 

Diese Angebote könne man durchaus auch auf den Vormittag und den regulären Unterricht drumherum legen, sodass man auch wieder auf ein Ganztagesangebot komme. "So ist die Wirkung eines Schultages eine ganz andere und die Angebote haben ja einen Nutzen sowohl für die Schüler als auch für die Unternehmen und die Eltern", so Riedel.

 

Ansehen der Schule stärken

Geplant seien außerdem Gespräche, so Riedel, ein Austausch mit Kollegen anderer Bildungseinrichtungen der Stadt. Hier wünschen sich von Mandel und Schondorf eine engere Zusammenarbeit. Zudem laufen weiterhin Ausschreibungen für offene Stellen. In einem waren sich alle Anwesenden einig: Das Ansehen der Schule, der Schulform, wofür sie steht sowie die Leistungen des Kollegiums und der Schüler müssen gestärkt werden – auch und besonders nach außen.

 

 

Volksstimme

 

12.03.26

 

Warten auf den neuen Schulhof: Eigentlich sollte der neue Schulhof der Ciervisti-Außenstelle im Kasernengebäude längst fertig sein. Doch die Arbeiten am benachbarten Frauenkloster haben die Umgestaltung verzögert (Von Thomas Kirchner)

 

Seit fast drei Jahren können die Neunt- und Zehntklässler der Zerbster Ganztagsschule Ciervisti das Kasernengebäude am einstigen Frauenkloster auf der Breite wieder nutzen – und das frisch saniert und mit digitalen Tafeln ausgestattet. Rund 2,45 Millionen Euro – darunter 2,2 Millionen Euro Fördermittel – flossen in den zweiten Standort der Schule, die sich in Trägerschaft des Landkreises Anhalt-Bitterfeld befindet.

 

Was noch aussteht, ist die Neugestaltung der Außenanlagen, des Schulhofes. Diese sollte mit Beginn der Sommerferien 2025 starten – eigentlich. Doch daraus wurde nichts. Nun soll es aber endlich losgehen, wie aus der Landkreisverwaltung zu hören ist. Am 19. Februar hat der Kreis- und Finanzausschuss mit der Vergabe des Auftrages den Weg für die Umgestaltung und Sanierung freigemacht – im Wert von rund 370.000 Euro.

 

Rechts das Kasernengebäude, die Außenstelle der Sekundarschule CIERVISTI, links das Frauenkloster und in der Mitte der Schulhof mit der mächtigen Eiche.

  

Schulhofsanierung im April?

Ursprünglich sollte die Neugestaltung des Schulhofes zeitgleich mit anderen Arbeiten stattfinden. Derzeit wird nämlich die Fassade des Bau- und Liegenschaftsamtes auf der Schulhofseite des ehemaligen Klosterkomplexes neugestaltet. Hier muss ein Gerüst gestellt werden. Da sei es sinnvoll, erst die Arbeiten am Gebäude des Bauamtes abzuschließen, ehe mit der Gestaltung des Schulhofes begonnen wird, hieß es im vergangenen Jahr.

 

"Die Schulhofsanierung der Ciervisti-Außenstelle auf der Breite wird voraussichtlich Mitte April beginnen. Das Startdatum ist abhängig von der Fertigstellung der derzeit von der Stadt Zerbst beauftragten Arbeiten an der Fassade des ehemaligen Klosters. Die Investitionskosten in Höhe von rund 370.000 Euro fließen zu 100 Prozent aus dem Haushalt des Landkreises", schreibt Landkreissprecherin Marie-Luise Wille auf Nachfrage.

 

Baumbank und Tischtennis

Geplant sind unter anderem Abdichtungsarbeiten im Sockelbereich des Kasernen-, also des Schulgebäudes, die Umverlegung von Parkplätzen aus dem Wurzelbereich der mächtigen Eiche, der Abbruch von versiegelten Betonflächen, Pflasterarbeiten, Anpassungsarbeiten an der Zugangstreppe, die Errichtung eines Fahrradunterstandes und einer Müllplatzumhausung sowie das Aufstellen von Abfallbehältern und einer Tischtennisplatte sowie eine Baumbank und weitere Sitzmöglichkeiten. Perspektivisch könnte auf diesem Areal, eingeschlossen der Große Klosterhof, noch mehr passieren, nämlich mit Hilfe des Sondervermögens. Zerbst bekommt immerhin rund 13 Millionen Euro. Im Gespräch ist eine Fußgängerbrücke, die den Walther-Rathenau-Platz näher bringen soll. Hier soll ein neues Kleinod in der Stadt entstehen, der Springbrunnen soll reaktiviert werden.

 

  Der Blick vom Großen Klosterhof, der ebenfalls neu gestaltet werden soll: geradezu das Frauenkloster und heutige Bauamt und links die historische Klosterkirche.

(Fotos: Thomas Kirchner)

 

In neuem Glanz erstrahlen

"Das Frauenkloster kann mit Aula, Fassade und Keller beziehungsweise Erdgeschoss fertig saniert werden. Außerdem kann der Klosterhof-Innenteil hergestellt beziehungsweise umgestaltet werden. So könnte dieser gesamte historische Teil von Frauenkloster und Großem Klosterhof schon bald in neuem Glanz erstrahlen", so Bürgermeister Andreas Dittmanns (SPD) Idee, wie er im September im Gespräch mit der Volksstimme deutlich machte.

 

Wie das Areal mit Frauenkloster und Großem Klosterhof am Ende tatsächlich aussehen wird, das steht noch nicht fest. Zwei Häuser wurden für die Neugestaltung erst kürzlich abgerissen.

 

 

Volksstimme

Juni 2026

Datum

Information

Quelle

 

27.06.26 

 

Zeugnisse für 78 Absolventen (Von Thomas Kirchner)

 

 (Foto: Thomas Kirchner)

 

Es ist geschafft! Insgesamt 78 Zehntklässler haben gestern Nachmittag feierlich ihre Abschlusszeugnisse überreicht bekommen. Fünf Absolventen haben den Hauptschulabschluss erreicht, 47 den Real- und 26 den Erweiterten Realschulabschluss. Schulleiterin Kirsten von Mandel erinnerte den diesjährigen Abschlussjahrgang noch einmal daran, dass sie Anstrengungen nicht unternommen haben, um den Eltern oder Lehrern einen Gefallen zu tun, sondern für sich selbst, für ihre berufliche, aber auch für ihre private Zukunft. Geehrt wurden auch Schüler mit besonderen Leistungen – im Sport oder die Jahrgangsbesten.

 

 

Volksstimme

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Juli 2026

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01.07.26 

 

Mit einem klaren Ziel vor Augen (Von Thomas Kirchner)

 

Von Polizistin bis Medizinerin – den sechs besten Schülerinnen des Jahrgangs 2026 der Sekundarschule Ciervisti stehen alle Türen offen. Eine hatte es doppelt so schwer.

 

Alles hat bekanntlich einmal ein Ende – auch die Schulzeit. Insgesamt 78 Jugendliche aus der Sekundarschule Ciervisti haben am brütend heißen 26. Juni in der Stadthalle ihre Abschlusszeugnisse bekommen und starten nun ins Abenteuer Leben.

 

Und wie in jedem Jahr sind da noch die Jahrgangsbesten. Immerhin sechs mehr als stolze Mädels haben einen Notendurchschnitt zwischen 1,2 und 1,5 geschafft – Mia Wünsche (1,2), Jolina Martin (1,3), Vlada Vasilica (1,4), Amalia Mirzahanova (1,4), Sarah Lorenz und Fabienne Bock, beide 1,5. Die sechs jungen Frauen haben Träume und Wünsche, wofür sie teils hart gearbeitet haben.

 

"Zuvor die Sprache lernen"

Für Amalia war es doppelt schwer. Sie kam vor fünf Jahren aus Moldawien nach Zerbst. "Ich musste nicht nur den Schulstoff, sondern zuvor erst die Sprache lernen. Und ich bin superstolz, dass sich das viele Lernen gelohnt hat, ich die Schule nun mit einem Durchschnitt von 1,4 verlasse", sagt sie freudestrahlend. Sie will jetzt das Abitur machen und Psychologin werden.

 

Und so ganz nebenbei geht sie noch ihrer großen Leidenschaft nach – dem Singen. In diesem Jahr wird sie das dritte Mal zusammen mit den beiden Powerfrauen der Band "Millane" auf der Weihnachtsmarktbühne stehen. "Es gab sicher auch Momente, wo ich resigniert habe. Aber mit meinem klaren Ziel vor Augen habe ich immer weitergemacht und wurde am Ende auch belohnt", freut sie sich.

 

Amalias große Leidenschaft ist das Singen, wie hier bei der Zeugnisausgabe. Sie tritt aber auch öffentlich auf, so wie beim Zerbster Weihnachtsmarkt.

 

"Es kommt nichts von selbst."

"Es kommt nichts von selbst. Wenn man etwas erreichen möchte, Ziele und Träume hat, dann muss man dafür kämpfen, in der Schule eben lernen", sagt Jolina, die einen Notendurchschnitt von 1,3 vorweisen kann. Gelernt habe sie schon, aber richtig büffeln musste sie nicht, wie sie erzählt. "Ich beginne am 17. August bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Und dann mal schauen, wo es mich hinführt", erklärt sie.

 

Dass man schon lernen muss, das sagt auch Sarah. "Mir fällt das Lernen zwar nicht so sehr schwer, auf den Hosenboden setzen muss man sich dennoch", weiß sie aus Erfahrung. Sie besucht ab 1. September die Polizeischule Aschersleben. "Mein Bruder hat mich inspiriert. Er ist bei der Polizei und durch zahlreiche Gespräche wurde mein Interesse geweckt. Nach einem Praktikum stand meine Entscheidung dann fest", erzählt sie. Sie möchte aber gerne in der Zerbster Umgebung bleiben.

 

"Gerne Medizin studieren"

Mit 1,2 ist Mia Wünsche die Beste und darauf sehr stolz. "Für diesen Notendurchschnitt musste ich schon etwas tun. Mit dem Wunsch, noch das Abitur abzulegen, habe ich es geschafft, was mich sehr freut", erzählt Mia. Welchen Weg sie dann einschlagen möchte, da seien noch alle Optionen offen, "aber es wird sehr wahrscheinlich in die Wirtschaft gehen, daher geht es auch an einem Dessauer Gymnasium weiter", sagt sie.

 

Im Gegensatz zu ihren Mitschülerinnen fiel Vlada das Lernen schon schwerer, wie sie zugibt. "Aber die Mühe hat sich am Ende des Tages gelohnt. Ich bin ziemlich stolz, dass ich den Durchschnitt von 1,3 erreicht habe", freut sich Vlada. Auch sie strebt jetzt das Abitur an und möchte dann gern Medizin studieren. "Ich würde gerne Ärztin werden. Die Fachrichtung lasse ich mir aber noch offen", macht sie deutlich. Nicht nur sie, die ganze Familie sei stolz.

 

Von rechts: Mia Wünsche, Vlada Vasilica, Jolina Martin, Amalia Mirzahanonova und Fabienne Bock  (Fotos: Thomas Kirchner)

 

Mit klaren Zielen vor Augen

Das unterschreibt auch Fabienne so. Stolz sei die ganze Familie. Und das Lernen? "Mal so, mal so. Bei mir kam es auf das Fach an. Bei einigen fiel es mir leichter, bei anderen schwerer", gibt sie zu. Sie beginnt in Kürze eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten. "Ich habe bei Frau Becker hier in der Jeverschen Straße ein Praktikum gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen und ich war mir ziemlich sicher, dass das etwas für mich ist. Zudem kann ich in Zerbst bleiben", erklärt sie. Zerbst zu verlassen, das sei für sie nicht wirklich eine Option gewesen.

 

Was alle sechs junge Frauen am Ende gemeinsam haben: Mit klaren Zielen vor Augen und ein bissel Arbeit, manchmal auch harte Arbeit, kommt man seinen Träumen ein Stück näher. Mia Wünsche, Vlada Vasilica, Jolina Martin, Amalia Mirzahanova, Sarah Lorenz und Fabienne Bock sind jetzt gespannt, was das Leben ihnen noch zu bieten hat. Der Anfang ist gemacht.

 

 

Volksstimme

 

03.07.26

 

Traditionelles Schulhoffest begeistert mit vielfältigen Angeboten (Von Daniela Apel)

 

  

 

Bevor es heute zum Start in die Sommerferien Zeugnisse gibt, wurde an der Zerbster Sekundarschule Ciervisti gestern das traditionelle Schulhoffest gefeiert. Langeweile sollte da nicht aufkommen. Die Mädchen und Jungen konnten T-Shirts batiken, Knobelaufgaben lösen oder Graffitis unter Anleitung eines Künstlers gestalten. Die Feuerwehr war vor Ort genauso wie die Polizei samt Diensthundestaffel. Reger Andrang herrschte auch am Schießstand, einer weiteren der über 20 Stationen – einschließlich kulinarischer Angebote.

 

  

(Fotos: Daniela Apel)

 

 

Volksstimme

 

10.07.26

 

Wirtschaft und Schule verzahnt (Von Thomas Kirchner)

 

Das sogenannte "4+1"-Modell ist ein freiwilliges Projekt zur Unterrichtsorganisation. Es sieht vier Tage Präsenzunterricht und einen Praxistag vor. Diesen Weg geht jetzt die Ciervisti.

  

Ab dem kommenden Schuljahr geht es bei den Neuntklässlern der Sekundarschule Ciervisti nicht nur um Mathe, Deutsch oder Physik. Die Jugendlichen werden sich bei einem Praxislerntag auch mit ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen – und das hautnah in verschiedenen Zerbster Unternehmen, was sowohl für die Jugendlichen als auch für die Unternehmer von Vorteil sein dürfte. Doch was ist der genaue Plan?

 

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU) verwies bei seinem Besuch Mitte März in der Schule immer wieder auf das "4+1" Konzept – vier Unterrichtstage und einen Praxis- oder einen komplett digitalen Lerntag. "Wir müssen aus dem starren Korsett ein Lehrer, ein Fach, eine feste Unterrichtszeit, ein fester Raum, eine feste Gruppe heraus, brauchen flexible Lösungen. Das würde als positiven Nebeneffekt auch eine Entlastung für das Kollegium bedeuten", erklärte der Minister.

 

Berufseinstiegsbegleiter hilft

"In dem Bestreben, diese Schulform dahinzubringen, wo sie eigentlich hingehört, nämlich zu einer Bildungseinrichtung, der engen Verzahnung zwischen Praxiswelt, Wirtschaft und Schule, ist meine Überzeugung, ist dieser Ansatz der Richtige", machte Riedel deutlich. Das dürfte auch die Wirtschaft so sehen. Verlangt sie doch immer wieder, die Schüler mehr auf das Arbeitsleben vorzubereiten und ihnen mehr wirtschaftliche Kompetenz zu vermitteln. Beiden Bitten tragen Schulleiterin der Ciervisti-Sekundarschule Kirsten von Mandel und ihr Kollegium nun Rechnung. Und sie hat dabei ein Ass im Ärmel.

 

Berufseinstiegsbegleiter Michael Dolezal und Schulleiterin Kirsten von Mandel aus der Ciervisti-Schule in Zerbst sehen sich das Berichtsheft an, das die Schüler führen müssen, wie bei einer Berufsausbildung auch.

(Foto: Thomas Kirchner)

 

Bewerbungen schreiben

Ein Luxus, den Ciervisti vorweisen kann, ist Michael Dolezal, der als Berufseinstiegsbegleiter unterwegs ist und einen heißen Draht in die lokale Wirtschaft hat, wie Kirsten von Mandel immer wieder betont. "Er kennt die Unternehmer und Schüler so gut, dass er in vielen Fällen einschätzen kann, in welche Firma welcher Schüler als Azubi passen könnte", erklärte die Schulleiterin. Dies sei ein Pfund, mit dem man wuchern könne.

 

"Gedacht war der Praxislerntag für die 8. und 9. Klassen. Das gestaltet sich allerdings schwierig. Das wären insgesamt mehr als 200 Schüler. So beginnen wir mit den 102 Neuntklässlern – eine Woche Theorie, Bewerbungen, Krankmeldungen, Berichtsheft führen, und in der anderen Woche dann Praxis in einem Unternehmen", erläutert von Mandel.

 

Das Spektrum an Berufsbildern sei breit gefächert, unter anderem Handel, Handwerk, Industrie, Pflege, Küche oder Hausmeister. "Nach einem halben Jahr können die Jugendlichen das Unternehmen wechseln, müssen sich dann dort neu bewerben. Wenn es in einem Unternehmen aber passt, für Schüler und Firma, eine Berufsausbildung in Frage kommt, dann können die betreffenden Jugendlichen das gesamte 9. Schuljahr dort bleiben", macht Michael Dolezal deutlich.

 

Chancen für neue Azubis

"Im Grunde ist das eine Win–Win–Situation. Die Schüler erhalten so Einblicke in verschiedene Berufsbilder, können so einschätzen, welcher Beruf am besten zu ihnen passt. Die Unternehmer wiederum bekommen ein Gefühl dafür, ob der eine oder andere Jugendliche in ihr Unternehmen und ins Team passen würde", ist sich der Berufseinstiegsbegleiter sicher. Die Lackiererei Heinrich und Richter sei beispielsweise eines der ersten Zerbster Unternehmen gewesen, das sofort zugesagt habe. Die beiden Geschäftsführer Michael Heinrich und Fred Richter sehen in dem Praxislerntag eine Chance, unter den Schülern geeignete Azubis für ihren Handwerksbetrieb akquirieren zu können. "Der Praxislerntag läuft über einen längeren Zeitraum. So lernt man sich gegenseitig besser kennen, was bei einem Praktikum kaum möglich ist. Beide Seiten können so ausloten, ob es nicht nur fachlich, sondern auch menschlich passt, was uns sehr wichtig ist", erklärt Michael Heinrich, warum er an diesem Projekt teilnimmt.

 

Teilnahme noch möglich

Unternehmen, die Interesse an einer Teilnahme an dem Projekt haben, die können sich per Mail auch immer noch unter kontakt@sks-zerbst.bildung-lsa.de an die Schule wenden, lassen die beiden wissen.

 

Neben der Lackiererei Heinrich und Richter sind bisher immerhin weitere 35 Unternehmen im Boot. "Es können aber gerne noch mehr werden. Im Handel, rund ums Auto, im Handwerk und in der Verwaltung ist beispielsweise noch jede Menge Luft nach oben", wirbt von Mandel bei den Unternehmern um Teilnahme. Einen wichtigen Punkt, den Dolezal noch ins Spiel bringt, ist die Abbrecherquote bei den Azubis. "Je länger ein Schüler seine Praxislerntage in einem Betrieb absolviert und beide Seiten sich für eine Ausbildung entscheiden, desto geringer dürfte am Ende die Quote sein", betont der Berufseinstiegsbegleiter.

 

 

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